Die Entstehung des Ortsnamens Westum
(Auszug aus Sinzig und seine Stadtteile, Zur Geschichte von Westum von Heinz Schmalz)
Die Entstehung des Ortsnamens ist bisher noch nicht eindeutig geklärt worden. Da man jedoch auch heute noch im Dialekt nicht von Westum, sondern von „Westhem = Westheim“ spricht, deutet dies nicht nur auf einen alten Ort fränkischen Ursprungs, sondern auch auf die Wohnstätte (Heim) einer zunächst einzelnen Person hin. Es könnte somit, als noch keine Familiennamen angewandt wurden (vor 1100), in Westum das Heim des Vesters, Westers oder Wistrikes (von dem Vornamen Sylvester abgeleitet) = West-Heim gestanden haben. Später hat sich dann aus dem Hausnamen ein Ortsname entwickelt.
Die verschiedene Schreibweise des Ortsnamens hing mit den Schreibkenntnissen der jeweiligen Schreiber zusammen, die Namen oft so zu Papier brachten, wie sie Ihnen aus dem Sprachgebrauch übermittelt wurden. Gegen 1570 hat dann ein Schreiber aus dem Westheim, in einer gut gemeinten Verfeinerung und durch einen Hörfehler, West-Humb gemacht (wie es im Dialekt je nach der Aussprache auch klingt), und so blieb nach verschiedenen Abänderungen der Ortsname Westum. Auch im Ortsnecknamen „Westheme Murre“ klingt der Heim-Ort an, und das Necklied „Mir jon no Westhem, mir jon no Westhem, mir jon no Westhem ob das Murrefess“ spricht nur von Westheim und nicht Westum. Im übrigen ist der Ortsneckname „Westheme Murre“ der Neckname, der im Rhein-Ahr-Raum am weitesten bekannt ist.
Das frühe Mittelalter (870-1100)
(Auszug aus Sinzig und seine Stadtteile, Zur Geschichte von Westum von Heinz Schmalz)
Mit einem Grabfund aus vorrömischer und Funden aus der römischen Zeit im Orts- und Gemarkungsbereich Westum sind frühe Ansiedlungen nachgewiesen.
Die eigentliche Geschichte von Westum beginnt jedoch mit der ersten urkundlichen Erwähnung Westums im goldenen Buch der Abtei Prüm. Durch eine Schenkungsurkunde des Kaisers Ludwig gab dieser am 10.Januar 836 seinem Vasallen (Lehnsmann) Robert Güter im Land Ribuarien. Die Urkunde ist in Latein gefasst. Die sinngemäße Übersetzung lautet gekürzt: Wir geben zu eigen dem Robert, unserem Treuen, einiges von unserem Eigentum das im Herzogtum Ribuarien nahehin das in „uuistrikisheim“ liegende Herrengut und andere Güter, sieben an der Zahl, mit den darauf stehenden Gebäuden und mit allen Sachen die zu den Gütern gehören.
Wenn also mit der Urkunde in Westum Herrengut und sieben andere Güter mit Häusern und Gebäuden, Obstbäumen und Weinbergen, Ackerland und Wald verschenkt wurden, mußte eine wesentlich frühere Besiedlung von Westum mit intensiver Landbewirtschaftung stattgefunden haben.
Im frühen Mittelalter begann in Westum eine Zersplitterung des Landbesitzes. Die Gemarkung, zunächst zum Reichsgut gehörend, ging als Lehen an besonders verdiente Anhänger des Königs über. Die Lehnsherren wiederum gaben ihren Besitz im Erbwege, als Schenkung oder Verpfändung weiter. Der nicht von ihnen selbst bewirtschaftete Grundbesitz wurde an Bauern gegen Naturalabgaben verpachtet. Hierbei handelt es sich auch um den Ortsteil Krechelheim. Vielfach wird angenommen, dass es sich um ein selbständiges Dorf handelte. Wie aus den Unterlagen ersichtlich (Bruderschaftsverzeichnis und Gemarkungsgebiete), haben die dort stehenden Gebiete immer zu Westum gehört, die Bewohner waren Bürger von Westum, und sie gehörten auch zur Kirche von Westum. Dieses Krechelheim lag in der Nähe des Weges, der von Westum nach Königsfeld führte, etwa ein Kilometer von der Dorfgrenze in südwestliche Richtung in der Nähe der HengstbachQuelle in Flur 11, bei einer Höhe von 156 Meter über dem Meeresspiegel. Heute wird die dortige Flur mit „Krechelheimerfeld“ oder „Wüstung Krechelheim“ bezeichnet.
Das Hochmittelalter (1100-1350)
In der Zeit des Hochmittelalters wurden in unserem Heimatbereich Stadtrechte verliehen, Wehrmauern und Palisaden um Städte und Dörfer gebaut und die Grundrechte der Kirchen und Klöster erweitert. Auch der Adel wurde immer stärker und versuchte, seinen Grundbesitz zu vergrößern und beständige Einkünfte daraus zu erzielen.
Die frühe Neuzeit (1500 - 1794)
Das 16. und 17. Jahrhundert waren geprägt von den Anfängen der Reformation sowie den Streitigkeiten bis hin zum Dreißigjährigen Krieg. Auch an einem kleinen Ort wie Westum gingen die Auswirkungen der kirchlichen und staatspolitischen Auseinandersetzungen nicht spurlos vorüber. Obwohl in unserem Dorf – im Gegensatz zu anderen Dörfern der Umgebung – keine Glaubensstreitigkeiten auftraten, berichtete 1566 der Amtmann der Grafschaft und der Ämter Sinzig und Remagen über einen Fall von „Sekterer“:
„Im Amt Sinzig zu Westum hält sich Peter Geseltgen von Kirche und Sakramenten fern. Er hat im vergangenen Winter durch den Pastor von Niederlützingen ein Kind in der Ortstrinkstübe zu Westum mitten im Dorf mit dem Wasser aus dem durch das Dorf fließenden Bach taufen lassen und am letzten Christtag Brot gebacken. Trotz persönlichen Befehls in Gegenwart von Vogt und Rentmeister – nach fürstlicher Anordnung zu leben – blieb er halsstarrig“.
Mit dem Westfälischen Frieden im Jahre 1648 trat nicht sofort eine allgemeine Kriegsruhe ein, sondern es sollte in unserem Bereich noch bis gegen 1655 dauern, bis sich die Verhältnisse normalisierten und ein neuer Anfang aus der Kriegsarmut möglich wurde.
Als dann 1678 das Dorf wieder vom Militär besetzt war, wurden „Möbel und Kellerzeug in hochschädlicher Weise zerschlagen und verbrandt“ und die Bevölkerung erneut in Armut gebracht.
Für die Geschichte Westums ist das Vorwort zur Gemeinderechnung aus dem Jahre 1685 interessant. Es lautet im wesentlichen (in heutiger Schreibweise):
Westum ist eine selbständige Gemeinde und gehört zur Stadt Sinzig. Die Westumer Bürger haben die gleichen Rechte und Pflichten wie die Sinziger Bürger. Auch nehmen sie an den Privilegien und Zugeständnissen der Sinziger Bürger teil, wie sie innerhalb der Stadtmauer üblich sind. Westum hat einem dem Sinziger Pastor unterstellten Vikar. Taufe und Begräbnis der Westumer werden in Sinzig vorgenommen.